Ausstellungsraum 387

Der Ausstellungsort
Der denkmalgeschützte Südflügel ist einer der wenigen in der Originalform erhaltenen Gebäudeteile des Kasseler Hauptbahnhofs und diente als Postumschlaghalle. Heute bietet der lichtdurchflutete Raum im ersten Stock mit 387 Quadratmetern Platz für Ausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen.

Der Südflügel hat sich inzwischen nicht nur als Ort der regionalen Kunst etabliert, sondern auch als Ort der Begegnung, Vermittlung und Diskussion.

Das Konzept
Seit 2012 arbeitet der Kuratoren-Verbund 387 (zurzeit sechs Kunst- und Kulturorganisationen) zusammen und realisiert ein gemeinsames Ausstellungsprogramm mit jährlich drei thematischen Gruppenausstellungen professioneller Künstler*innen aus Kassel und der Region. In modellhafter Weise ist es damit gelungen, die Perspektive auf die regionale Kunst und ihre Förderung in der documenta-Stadt mit neuen Impulsen zu beleben und weiterzuentwickeln.

Ausgehend von der Kunst, die in Kasseler Ateliers entsteht, werden gesellschaftlich relevante Themen und Fragestellungen aufgegriffen und diskutiert. Eine Leitlinie ist dabei, verschiedene Künstlergenerationen und Positionen in den Ausstellungen zusammenzubringen und eine thematische Ausrichtung vorzugeben, die den Blick auf die Einzelwerke verändert und neue Kontexte schafft.
Moderierte Künstlergespräche und Workshops mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gehören zum festen Vermittlungsprogramm jeder Ausstellung.

2013 wurde das Team 387 für sein engagiertes Programm mit dem Kulturförderpreis der Stadt Kassel ausgezeichnet.

Zur Vorgeschichte
Am Angfang war der Mangel
Im März 2008 wandten sich Vertretungen mehrerer Kasseler Kulturorganisationen und der freien Kunstszene an das Kulturdezernat und brachten ihre Erwartung auf Unterstützung bei der Beseitigung eines strukturellen Defizits im lokalen Kunstbetrieb zum Ausdruck. Thematisiert wurden die fehlenden Gelegenheiten zur Präsentation von Werken der in Kassel ansässigen professionellen bildenden Künstlerinnen und Künstler. Die Forderungen richteten sich auf angemessene Rahmenbedingungen, um den in der Region künstlerisch Tätigen eine öffentlich wirksame Plattform zu schaffen.

Die Initiativen formulierten gemeinsam den dringenden Appell an die kulturpolitisch Verantwortlichen der Stadt Kassel, dem Atelier- und Kunstproduktionsstandort in der Kulturentwicklungsplanung größere Bedeutung einzuräumen. Damit verbunden war die Forderung, dass mit der Umstrukturierung der Museumslandschaft, der Fokussierung auf die Weltmarken und der Förderung der Kreativwirtschaft, die vor Ort entstehende Kunst als wichtiger Entwicklungsimpuls nicht aus dem Blickfeld gerate.
Der formulierte Einspruch warnte ausdrücklich vor dem Image-Verlust Kassels als Kulturstadt – mit einer ausgeprägten freien Kunstszene, einem prominenten Kunsthochschulstandort und einer Fülle künstlerischer Aktivitäten unterschiedlicher Träger –, wenn es nicht gelänge, die Ausstellungslandschaft so zu strukturieren, dass sie gezielt auch das kreative Potenzial innerhalb der documenta-Stadt abbilde. Die Problemlage war (und ist) auch deswegen so akut, weil die etablierten nichtstädtischen Institutionen – Museumslandschaft Hessen Kassel, Kasseler Kunstverein, Kunsthalle Fridericianum – die hier entstehende Kunst programmgemäß nur sporadisch berücksichtigen.

Als Reaktion auf diese Initiative wurde eine städtische Arbeitsgruppe eingerichtet, die unter Federführung der Abteilung Kulturförderung und -beratung vom Kulturamt mit der Aufgabe betraut wurde, räumliche und organisatorische Vorschläge für einen Ort lebendigen regionalen Ausstellungsgeschehens zu entwickeln. Die intensive Standortsuche, bei der zahlreiche Optionen geprüft und Finanzierungsmodelle durchgespielt wurden, konzentrierte sich schließlich auf das Obergeschoss des Kulturbahnhof-Südflügels, der als Ausstellungsort zeitgenössischer Kunst in der Stadt etabliert ist. Der dortige Veranstaltungsaal bot wesentliche Voraussetzungen für eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit, die den in Kassel lebenden und arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern mit Gruppen- und Themenausstellungen sowie überregionalen Austauschprojekten eine angemessene Basis bereitstellt. Auf ihr soll in immer neuen Ansätzen ein Experimentierfeld für kreative Lösungen im Umgang mit Kunst und Raum entfaltet werden.

Die multipel besetzte Arbeitsgruppe, die in diesem Ambiente ein Programm mit jährlich bis zu drei Ausstellungen entwickelt, gab sich den Namen „387 Quadratmeter“ – benannt nach der Größe der Spielfläche, die im Ausstellungsraum zur Verfgung steht. Im Laufe der Jahre legte das Team den Appendix „Quadratmeter“ ab und trägt heute nur noch den Namen „387“.


Kooperationspartner als Team
Fünf Organisationen erarbeiten gemeinsam die Ausstellungsplanung, Auswahl der Themen bzw. Künstlerinnen und Künstler, sorgen für die Finanzplanung und die Einwerbung von Mitteln für die Ausstellungen. In einer solchen Kooperation können neue Chancen für regionale Kunst und Kulturschaffende eröffnet werden.

Träger von 387 ist der BBK Kassel e. V. (Wladimir Olenburg, Norbert Städele), der zurzeit gemeinsam mit Kunstbalkon e. V. (Sabine Stange), Kunsttempel e. V. (Carola Ruf), KulturNetz Kassel e. V. (Vera Lasch) und der Warte für Kunst (Melanie Vogel) das Kuratorium bildet.