15. Mai – 6. Juni 2021

Eröffnung: 14. Mai 2021, 18 Uhr

Tanja Böhme • Elko Braas • Reinhard Doubrawa Ruth Lahrmann Kristin Meyer




Das Kuratori*nnenteam 387 lädt zur ersten Ausstellung in diesem Jahr ein.

Fakt oder Fake? Die Mondlandung 1969 von Apollo 11 hat schon zu so manchen Spekulationen Anlass gegeben, die bis heute in den sozialen Medien kursieren. Mit der Amtseinführung von Donald Trump hatten wir mit Staunen von den „alternativen Fakten“ erfahren. Erklären wir uns die Welt, wie sie uns gefällt oder vertrauen wir auf wissenschaftliche Beweisführungen? Die fünf eingeladenen Künstler*innen spielen mit diesen Fragestellungen und stellen unsere Wahrnehmung auf die Probe.

Ausstellungsbesuch
Der Besuch der Ausstellung ist unter den üblichen Corona-Auflagen (Kontaktadresse am Einlass hinterlassen, Mund-/Nasenschutz tragen, Abstand halten) von Mittwoch 2. 6. bis Sonntag, 6. 6. 2021, jeweils von 14 bis 18 Uhr möglich!

Wir heißen Sie herzlich willkommen.

Der moderierte Rundgang am 6. 5. 2021, 14.30 Uhr
muss leider ausfallen

Workshop am 22 5. 2021, 14.00 Uhr
Interessenten wenden sich bitte an :
raumforschen@wellbeingstiftung.de
Tel.: 0561 – 22074600



Bereits jetzt können Sie ganz bequem von zuhause aus unseren kompletten Ausstellungsrundgang mit Erläuterungen der Kunsthistorikerin Susanne Jakubczyk genießen:


Liebe Gäste der virtuellen Ausstellung „Fakt & Fake“,

mit dieser ersten Ausstellung im Jahr 2021 präsentiert das Kurator*innen Team 387 drei Künstlerinnen und zwei Künstler, die sich in ihren gezeigten Arbeiten kritisch mit dem Verhältnis von Wirklichkeit und Täuschung auseinandersetzen. „Realität“ als gemeinsam geteilte Wirklichkeit ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. An ihre Stelle scheinen vielfach individuelle Auslegungen der Welt getreten zu sein. Auffällig ist, wie stark dieser Wandel mit dem Aufstieg der Sozialen Medien einhergeht. Diese Technologieentwicklung begünstigt persönliche „Klarheiten“, die an die Stelle von Informationen und sorgfältig recherchierten Kontextualisierungen treten. Das Ergebnis sind immer kleiner werdende, oft selbstreferenzielle Umfelder. Spürbar damit einher geht eine zunehmende Angriffslust in der gewählten Sprache. Ein vormals twitternder ehemaliger US-Präsident ist hier nur der Wimpel auf der Spitze des Eisbergs. Die Fragen nach „Fakt & Fake“ und die sich daraus ableitenden Antworten haben also weitreichende Implikationen.

In der Kunst ist die subjektive Wahrnehmung von Wirklichkeit essenziell. Gerade deshalb ist es vielversprechend zu sehen, wie die fünf künstlerischen Positionen das Thema der Ausstellung aufgreifen und verorten. Dies gilt umso mehr, als dass die ausstellenden Künstler*innen Tanja Böhme, Elko Brass, Reinhard Doubrawa, Ruth Lahrmann sowie Kristin Meyer jeweils sehr unterschiedliche Ansätze, Techniken und Sujets nutzen, um sich dem Thema zu nähern. Dieser vielschichtige Blick veranschaulicht, dass es eine Vielzahl an parallel zu einander existierenden Wahrnehmungen der Wirklichkeit gibt – für die Kunst ist dies zentrales Wesensmerkmal und ergiebiges Potenzial.

Diese  unter andauernden Pandemie-Bedingungen entwickelte Ausstellung greift ein für unsere gesellschaftlichen Diskurse zentrales Thema auf und ist gleichermaßen ein sichtbares Zeichen für die Qualität künstlerischen Arbeitens in Kassel. Dafür danke ich den beteiligten Künstler*innen ebenso herzlich wie dem Kurator*innen Team 387, sowie allen Unterstützer*innen.

Ihnen allen wünsche ich interessante Impulse und Anregungen für den alltäglichen Umgang mit „Fakt & Fake“.

Ihre Susanne Völker
Kulturdezernentin



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Beiträge der KünstlerInnen:

Tanja Böhme
An der Küste von Knysna in Südafrika beobachtete Lyall Watson (Zoologe und Anthropologe) eine Elefantin, die mit einem Wal kommuniziert (Lyall Watson, “Elephantoms, Tracking the Elephant”; 2003 Norton Paperback, New York, pp. 207-208). Diese Beobachtung wurde seither von niemandem überprüft.
In meinen aktuellen künstlerischen Arbeiten beschäftige ich mich mit der Sprache der Elefanten und der Wale und mit der Möglichkeit einer inter-Kommunikation beider Spezies. Dazu ziehe ich sowohl aktuelle verhaltensbiologische als auch philosophische Erkenntnisse zu Sprache heran. In beiden Disziplinen findet immer auch ein Vergleich mit der menschlichen Sprache statt, der jedoch unterschiedlich ausfällt. Während die Biologen eine Übersetzung der Tiersprachen in die menschliche Sprache anstreben, lehnt die Philosophie traditionell die Verwendung des Begriffs Sprache bei Tieren ab.
Mit meiner Kunst bewege ich mich in diesem Spannungsfeld. Ich stelle mein künstlerisches Forschen dem wissenschaftlichen Forschen gegenüber.





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Kristin Meyer
Freunde oder Personen rufen an, genau in dem Moment, wenn an sie gedacht wird. Sich nahestehende Personen fühlen, wenn es dem Anderen schlecht geht, obwohl sie sich nicht am selben Ort befinden. Gleiche Lösungsvorschläge werden von unterschiedlichen Personen erdacht und zeitgleich ausgesprochen, nachdem von diesen Personen wochenlang danach gesucht wurde. Sind das alles zufällige Ereignisse oder gibt es noch Möglichkeiten, die außerhalb des Zufalls liegen? Etwas, das uns über physische Grenzen hinweg verbindet – so etwas wie Telepathie? Wie ließe sich diese Möglichkeit nachweisen? Das Mitschreiben von Gedanken müsste doch möglich machen, nicht nur Momente telepathischen Vorkommens zu finden, sondern sie auch zu dokumentieren. Und wenn das Geschehen selbst videoaufgezeichnet und dokumentiert wird, sollte es doch glaubhaft sein, sobald sich Telepathie zeigt. Dies waren die Ausgangsgedanken der Künstlerin Kristin Meyer für ihre Arbeit „Die Telepathie-Experimente“.

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Bildergalerie folgt später